Energetische Sanierung Berlin: Maßnahmen, Förderung 2026 und GEG-Pflichten

Energetische Sanierung in Berlin: sinnvolle Maßnahmen und Reihenfolge, Effizienzhaus-Stufen, Förderung 2026 (KfW, BAFA, IBB) und die GEG-Pflichten bei der Sanierung im Bestand.

Berliner BaumarktVon Berat Murati··11 Min. Lesezeit

Eine energetische Sanierung senkt den Energiebedarf eines Hauses durch gedämmte Gebäudehülle und effiziente Heiztechnik — bei einer Vollsanierung sind laut KfW Einsparungen von über 60 Prozent gut erreichbar.1 In Berlin entscheiden dabei Förderung, GEG-Pflichten und die richtige Reihenfolge über die Wirtschaftlichkeit. Dieser Ratgeber zeigt die sinnvollen Maßnahmen, die Effizienzhaus-Stufen, die Förderung 2026 und die gesetzlichen Pflichten bei einer Sanierung im Bestand.

Das Wichtigste in Kürze
  • Reihenfolge: erst die Gebäudehülle dämmen, dann die Heizung tauschen — sonst wird die neue Heizung überdimensioniert
  • Einsparung: bei Vollsanierung über 60 % (KfW)1, in einer dena-Modellrechnung bis zu 80 %5
  • Förderung 2026: KfW-Heizungsförderung bis 70 %, BAFA-Zuschuss für die Gebäudehülle 15 % (+5 % mit Sanierungsfahrplan), KfW-Effizienzhaus-Kredit, dazu die Berliner IBB-Programme — Antrag immer vor Auftragsvergabe
  • GEG: Bei Sanierung gelten U-Wert-Höchstwerte (Außenwand 0,24, Fenster 1,3, Kellerdecke 0,30 W/m²K), sobald mehr als 10 % einer Bauteilfläche erneuert werden3
  • Effizienzhaus-Stufen (EH 85/70/55/40) bestimmen Förderhöhe und Anforderung — je kleiner die Zahl, desto besser2

Was ist eine energetische Sanierung?

Eine energetische Sanierung verbessert die Energieeffizienz eines Gebäudes — durch Dämmung der Hülle, den Austausch von Fenstern und durch eine Heizung mit erneuerbaren Energien. Der Hebel ist groß: Der Gebäudesektor verursacht rund 35 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs, überwiegend für Heizung und Warmwasser.7 Sie kann als Teil einer Komplettsanierung erfolgen oder schrittweise über Einzelmaßnahmen.

Welche Maßnahmen gehören dazu — und in welcher Reihenfolge?

Die zentrale Regel lautet: zuerst die Gebäudehülle dämmen, danach die Heizung erneuern. Wer die Heizung vor der Dämmung tauscht, legt sie für den schlechten Ist-Zustand aus — nach der Dämmung ist sie dann zu groß und läuft unwirtschaftlich. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Maßnahmen über einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) abzustimmen.6 Die typischen Maßnahmenpakete:

  • Dämmung der Gebäudehülle: Fassade, Dach und Kellerdecke — in Berliner Altbauten bei Denkmalschutz oft als Innendämmung (mehr dazu im Ratgeber zur Fassadendämmung)
  • Fenster & Türen: Austausch gegen wärmegedämmte Elemente
  • Heizung: Wärmepumpe oder Fernwärme — in Berlin je nach Lage und Wärmeplanung
  • Lüftung: kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung

Was bringt eine energetische Sanierung?

Bei einer Vollsanierung mit gedämmter Hülle und effizienter Technik sind laut KfW Einsparungen von über 60 Prozent gut erreichbar;1 eine Modellrechnung der Deutschen Energie-Agentur (dena) zeigt sogar bis zu 80 Prozent, wobei sich die energetischen Mehrkosten über die eingesparte Energie refinanzieren lassen.5 Eine reale Beispielsanierung eines Hauses von 1923 im Berliner Umland erreichte 57 Prozent weniger Heizenergie und 65 Prozent weniger CO₂ pro Quadratmeter.8 Wie hoch die Einsparung konkret ausfällt, hängt stark vom Ausgangszustand und vom Maßnahmenpaket ab — eine belastbare Zahl liefert erst eine individuelle Energieberatung.

Effizienzhaus-Stufen: EH 85, 70, 55 und 40

Die Effizienzhaus-Stufe ist der Maßstab der Förderung. Die Zahl gibt an, wie viel Primärenergie das sanierte Haus im Vergleich zu einem gesetzlich definierten Referenzgebäude benötigt — je kleiner, desto besser.2

EffizienzhausPrimärenergiebedarfTransmissionswärmeverlust
Referenzgebäude (GEG)100 %100 %
EH 8585 %100 %
EH 7070 %85 %
EH 5555 %70 %
EH 4040 %55 %

Welche Förderung gibt es 2026?

Bundes- und Landesförderung lassen sich kombinieren — der Antrag muss aber vor der Auftragsvergabe gestellt werden.

  • KfW-Heizungsförderung (458): 30 % Grundförderung plus Boni (Klimageschwindigkeit, Einkommen, Effizienz), maximal 70 %, gedeckelt auf 30.000 Euro förderfähige Kosten beim Einfamilienhaus4
  • BAFA-Einzelmaßnahmen (Gebäudehülle): 15 % Zuschuss für Dämmung und Fenstertausch, plus 5 % Bonus mit individuellem Sanierungsfahrplan9
  • KfW-Effizienzhaus-Kredit (261): zinsverbilligter Kredit mit Tilgungszuschuss für die Komplettsanierung zum Effizienzhaus
  • Steuerbonus § 35c EStG: 20 % über drei Jahre für selbstgenutzte, über zehn Jahre alte Häuser (max. 40.000 Euro) — nicht mit KfW/BAFA für dieselbe Maßnahme kombinierbar10
  • IBB Berlin: landeseigene Programme wie „Effiziente GebäudePLUS", kombinierbar mit der KfW-Förderung11

Welche GEG-Pflichten gelten bei der Sanierung?

Wer ohnehin saniert, muss bei den betroffenen Bauteilen die Höchstwerte des Gebäudeenergiegesetzes einhalten — sobald die Maßnahme mehr als 10 Prozent der jeweiligen Bauteilfläche betrifft:3

BauteilU-Wert-Höchstwert
Außenwand0,24 W/(m²·K)
Dach / oberste Geschossdecke0,24 W/(m²·K)
Fenster1,3 W/(m²·K)
Kellerdecke / Wände gegen Erdreich0,30 W/(m²·K)

Hinzu kommen Nachrüstpflichten: Die oberste Geschossdecke muss gedämmt, über 30 Jahre alte Heizkessel müssen stillgelegt und ungedämmte Heizungsrohre in unbeheizten Räumen gedämmt werden. Selbstnutzer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die ihr Haus bereits am 1. Februar 2002 bewohnten, sind von diesen Nachrüstpflichten befreit; neue Eigentümer haben nach dem Kauf zwei Jahre Zeit.12 Beim Heizungstausch gilt zudem die 65-Prozent-Erneuerbare-Pflicht, die in Berlin mit der kommunalen Wärmeplanung greift — Details im Haussanierung-Überblick.

Häufige Fragen

Was bedeuten die Effizienzhaus-Stufen EH 85, 70, 55 und 40?

Die Zahl gibt an, wie viel Primärenergie das sanierte Haus im Vergleich zu einem gesetzlich definierten Referenzgebäude verbraucht: Ein Effizienzhaus 55 benötigt nur 55 Prozent, ein EH 40 nur 40 Prozent. Je kleiner die Zahl, desto besser die Effizienz und desto höher in der Regel die Förderung.

Welche Maßnahmen gehören zu einer energetischen Sanierung?

Typische Pakete sind die Dämmung von Fassade, Dach und Kellerdecke, der Austausch von Fenstern und Türen sowie eine neue Heizung — in Berlin meist eine Wärmepumpe oder ein Fernwärmeanschluss. Die größte Einsparung entsteht im Zusammenspiel, deshalb gilt: erst dämmen, dann Heizung tauschen.

Wie viel Energie spart eine energetische Sanierung?

Bei einer Vollsanierung sind laut KfW Einsparungen von über 60 Prozent gut erreichbar, eine dena-Modellrechnung zeigt bis zu 80 Prozent. Eine reale Beispielsanierung im Berliner Umland erreichte 57 Prozent weniger Heizenergie und 65 Prozent weniger CO₂ pro Quadratmeter. Die konkrete Einsparung hängt stark vom Ausgangszustand und Maßnahmenpaket ab.

Welche Förderung gibt es 2026 für die energetische Sanierung in Berlin?

Die KfW-Heizungsförderung (458) bezuschusst klimafreundliche Heizungen mit bis zu 70 Prozent. Das BAFA fördert die Gebäudehülle mit 15 Prozent (plus 5 Prozent mit Sanierungsfahrplan). Dazu kommen der KfW-Effizienzhaus-Kredit 261, der Steuerbonus nach § 35c EStG und die Berliner IBB-Programme. Den Antrag immer vor Auftragsvergabe stellen.

Welche Pflichten gelten nach dem GEG bei einer Sanierung im Bestand?

Bei betroffenen Bauteilen sind die GEG-Höchstwerte einzuhalten: Außenwand und Dach jeweils 0,24, Fenster 1,3 und Kellerdecke 0,30 W/(m²·K), sofern die Maßnahme mehr als 10 Prozent der Bauteilfläche betrifft. Hinzu kommen Nachrüstpflichten wie die Dämmung der obersten Geschossdecke. Selbstnutzer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die ihr Haus bereits am 1. Februar 2002 bewohnten, sind davon befreit.

Für die Firmenwahl lesen Sie, wie Sie eine Sanierungsfirma in Berlin finden und vergleichen; für eine Kosteneinschätzung nutzen Sie den Sanierungskostenrechner.

Quellen

  1. KfW, Das Effizienzhaus — Einsparungen von über 60 % bei Vollsanierung
  2. KfW, Effizienzhaus-Stufen EH 85/70/55/40 (Primärenergie und Transmissionswärmeverlust)
  3. Gebäudeenergiegesetz (GEG), Anlage 7: U-Wert-Höchstwerte bei Änderung von Außenbauteilen (Außenwand 0,24 / Fenster 1,3 / Kellerdecke 0,30)
  4. KfW, Heizungsförderung für Privatpersonen — Wohngebäude (Programm 458), bis 70 %
  5. Deutsche Energie-Agentur (dena), Sanierungsstudie Teil 2 (Modellvorhaben, bis zu 80 % Einsparung; 2012)
  6. Verbraucherzentrale, Energetische Sanierung und individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) — Reihenfolge der Maßnahmen
  7. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), Energiewende im Gebäudebereich (~35 % des Endenergieverbrauchs)
  8. co2online, Modellrechnung energetische Sanierung (Haus von 1923, Berliner Umland: 57 % weniger Heizenergie, 65 % weniger CO₂/qm)
  9. BAFA, Bundesförderung für effiziente Gebäude — Einzelmaßnahmen Gebäudehülle (15 % + 5 % iSFP-Bonus)
  10. § 35c EStG, Steuerermäßigung für energetische Maßnahmen an selbstgenutztem Wohneigentum (20 % / 40.000 €)
  11. Investitionsbank Berlin (IBB), Förderprogramm „Effiziente GebäudePLUS"
  12. BBSR, GEG-Infoportal: Nachrüstpflichten im Gebäudebestand und Befreiung für Selbstnutzer (Stichtag 1.2.2002)

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